„Mein Silvestervorsatz für 2011 war: Biblis abschalten!“

Immo Rombach, 43, hausverwaltender Unternehmer, will nach dem Etappensieg von „Bye Bye Biblis“ die Dreieicher Stadtwerke umbauen und den Protest gegen Atomkraft in alle Welt tragen

Atomkraftgegner bin ich schon seit über 30 Jahren. Als die Laufzeitverlängerung kam, wurden meine Frau Carol-Sue und ich sofort wieder aktiv und haben versucht, auch Familie und Freunde mit einzubeziehen. Anfangs standen wir im Ökoladen und haben Stromwechsel-Flyer verteilt. Viele wollten wechseln, kriegten das aber nicht hin. Also haben wir angeboten, das mit ihnen zusammen zu machen. Mehrere hundert Privatleute und Firmen konnten wir überzeugen. Ich war mir sicher: Da geht noch mehr! Daher schrieb ich eine Petition für einen Umbau der Dreieicher Stadtwerke. Die sollen nur noch echten Ökostrom anbieten und auch selbst welchen erzeugen. Mehrere Tausend Unterschriften und viel Pressearbeit machten Druck auf die Verantwortlichen bei den Stadtwerken und im Stadtparlament – so viel, dass sie den immer wieder verschleppten Bau einer Solaranlage auf der ehemaligen Dreieicher Mülldeponie endlich umsetzten. Die ist seit wenigen Tagen am Netz und wahrscheinlich die größte Hessens. Was die Komplettumstellung auf Ökostrom angeht, so suchen die Stadtwerke bereits nach Lieferanten. Unsere Petition, die all das angestoßen hat, wurde inzwischen von vielen anderen Initiativen übernommen.

Als im März die Menschenkette von Neckarwestheim nach Stuttgart anstand, dachten wir: „Es braucht einen Bus.“ Parteien und Organisationen winkten ab. Wir waren aber sicher, dass das klappt, und buchten einfach einen. Am Schluss hatten wir zwei 50-Sitzer voll, aus dem kleinen Dreieich, wo nur wenige je auf ’ner Demo waren! Dann passierte Fukushima. Mit den 100 Leuten haben wir noch vor Abfahrt der Busse eine Mahnwache gemacht, vermutlich die erste in ganz Deutschland.

Unsere Initiative „ByeByeBiblis“ ist zu einem tollen Team zusammengewachsen. Wir haben einen Schweigemarsch durch Dreieich organisiert, regelmäßige Fukushima-Mahnwachen, Busse zu weiteren Demos, einen Dreieicher Castor-Streckenaktionstag, Diskussionsveranstaltungen, Infostände und manch anderes. Aktuell bereiten wir einen Energiekongress vor und gründen eine Energiegenossenschaft. Und am Frankfurter Flughafen wollen wir Handzettel in vielen Sprachen verteilen, um den Anti-Atom-Protest in die ganze Welt zu tragen.

Zu ihrem Namen kam unsere Ini durch meine Frau. Die sagte Silvester vor einem Jahr: „Mein Vorsatz für 2011 ist: Biblis abschalten!“ Beide Blöcke des AKW sind inzwischen vom Netz. Durch ist das Thema für uns aber noch lange nicht: Wir stecken voller Ideen und sind oft verzweifelt, dass wir nicht mehr Zeit haben – es ist noch so viel zu tun.
www.byebyebiblis.de

« zurück