„Es geht wieder los“ stand auf dem großen .ausgestrahlt-Transparent, das am Beginn der Demoroute hing. Und das war eine der Botschaften des Tages, in vielen Presseberichten erwähnt. Die Kommentare in den Tageszeitungen zeigen darüber hinaus, dass wir alle gemeinsam sehr viel von dem vermitteln konnten, worum es uns ging.
Die Süddeutsche Zeitung kommentierte:
Doch mit dem Frieden ums Atom ist es nun vorbei. ... .Die Auferstehung der Anti-Atmbewegung hat vor allem mit der sehr realen Befürchtung zu tun, dass eine schwarz-gelbe Regeirung den Atom-Konsens aufkpndigen wird. Die Proteste am Wochenende waren die größten seit 20 Jahren, Union und FDP haben offensichtlich unterschätzt, wie tief verwurzelt die Atomängste in der Bevölkerung sind..Ein Kurswechsel in der Atompolitik wird politisch kaum durchsetzbar sein.
In der Mitteldeutschen Zeitung war zu lesen:
Das unterscheidet die Anti-Atom-Bewegung von den etablierten Parteien: Die Anhänger des "Atomkraft - Nein Danke" kennen keine Nachwuchs-Probleme. (…) Was vor 30 Jahren als Verhinderungskampagne in Wyhl, Wackersdorf, Kalkar und Brokdorf begann, das hat sich verstetigt, verfestigt, verjüngt. (…) Die Anti-Kernkraft-Bewegung verkörpert eine Meinungsmacht, mit der zu rechnen ist.
Die Frankfurter Rundschau schrieb:
Die protestentwöhnte Republik reibt sich die Augen. (…) Die Anti-Atomkraftbewegung ist wieder da. So stark wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr, Und so verjüngt, dass man kaum merkt, dass seit den ersten Bildern von einer Gorlebener Treckerkarawane schon 30 Jahre ins Land gegangen sind. (…) Das war Protestkultur vom Feinsten. (…) Das Erfrischende an dieser Anti-Atom-Demonstration war: Sie war Wahlkampf von unten. Mit Parteipräferenzen liebäugelnd, aber nicht an Parteiloyalitäten gebunden, stellten da einige zehntausend den Wahlkampf vom Kopf auf die Füße. Keine Parteien-Versprechen ans schweigende Stimmvolk. Umgekehrt: eine Wähler-Ansage an die Politik, womit sie rechnen muss nach dem 27. September. (…) Gewiss, wie kurz oder wie lange in Deutschland Atomkraftwerke noch laufen, wird nicht die Wahl entscheiden. (…) Aber jede künftige Regierung kann nun wissen, worauf sie sich einstellen muss, wenn sie die Atomlobby mit längeren Laufzeiten für ihre Meiler bedient. (…) Die politische Spaltkraft der Nukleartechnik hat offenbar eine längere Halbwertzeit, als einige vermuteten. Dieses Potenzial ist weit größer als die Schar der Demonstranten. Es kann durchaus zur kritischen Masse werden.
Die taz:
Allein wird diese Kundgebung zwar weder den Wahlausgang noch die anschließende Politik entscheiden. Doch sie ist ein eindrücklicher Beleg für die Stimmung im Land - und die lässt die Chancen der Atomindustrie auf längere Laufzeiten derzeit rapide sinken. (…) Die Demonstration hat bewiesen, dass die nächste Generation mindestens so engagiert dabei ist wie die vorhergehende. (…) Die VeranstalterInnen der Demonstration haben auf Distanz zu den Parteien geachtet. Strategisch ist das klug. Denn nur wenn die Bewegung nicht als Anhängsel einzelner Parteien wahrgenommen wird, kann sie ihre ganze Breite entfalten. Und nur dann kann sie nach den Wahlen weiter Druck ausüben, unabhängig davon, wer dann verhandelt. Dass ein Aufkündigen des Atomkonsenses gesellschaftliche Konflikte zurückbringen kann, hat die Demonstration jedenfalls eindrücklich gezeigt.
Die „Berliner Zeitung“ kommentierte:
Berlin war am Wochenende der Schauplatz der größten Anti-Atom-Demonstration seit Langem. Mehrere zehntausend Menschen waren aus allen Teilen der Republik in die Hauptstadt gereist, um gegen die Kernenergie zu protestieren. Sie taten das friedlich und fantasievoll. ... Ob die Organisatoren ihr politisches Ziel erreicht haben, ist noch nicht entschieden. (…) Die Demonstranten müssen ihrem Anliegen Nachdruck verleihen. Sie müssen jetzt dran bleiben, indem sie weitere Aktionen planen (…). Sonst ist der Treck vom Wochenende bald vergessen.
Kommentar der Hamburger Morgenpost:
Diese Bilder machen Spaß. Und sie sprechen Bände: 50.000 Menschen haben in Berlin gegen Atomkraft demonstriert - bunt, fröhlich und kreativ. Sie stehen, da beweisen Umfragen, für eine Mehrheit der Bundesbürger. ... Bei solchen Nachrichten müssen sch Union und FDP schon fragen lassen, wem sie mit ihren Forderungen nach längeren Laufzeiten zu Diensten sind - außer der Atomloby, denn die freut sich natürlich. ... Solange wir Milliarden in alte Technik versenken, verschnarchen wir die Zukunft - und die liegt nun mal in erneuerbaren Energien.
Der Nordkurier schrieb:
Dass Atomkraft sicher und beherrschbar ist, glaubt in Deutschland kaum noch jemand – außer natürlich den Energiekonzernen und ihren Freunden in den Wahlkampfzentralen von CDU und FDP.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte noch am Samstag im Tagesspiegel-Interview:
Die Anti-Akw-Demonstration in Berlin hat ebenfalls gezeigt, dass eine Aufkündigung des Atomkonsenses durch Schwarz-Gelb auf entschiedenen Widerstand in der Bevölkerung stoßen würde. ... Wer das nicht will, darf Frau Merkel nicht wählen.
Was Herr Gabriel vielleicht noch nicht verstanden hat: Die Anti-AKW-Bewegung wird auch das Verhalten der anderen Parteien nach der Wahl sehr genau beobachten - und angemessen reagieren.
Keine Kommentare, aber spannende Einschätzungen der Nachrichtenagenturen:
- AKW-Gegner riefen - und Zehntausende kamen aus der ganzen Republik: In Berlin fand die größte Anti-Atomenergie-Demo seit Jahren statt. ... Hunderte gelbe Fahnen mit dem Slogan aus den 80er Jahren "Atomkraft? Nein Danke" wehten über der Menschenmenge. Ein großes Transparent am Spreeufer verkündete: "Es geht wieder los!"
dpa
- Die große Hoffnung der Demonstranten ist auf einem gelben Plakat zusammengefasst. Auf dem im Wind flatternden Transparent am Spreeufer gegenüber dem Reichstag steht: "Es geht wieder los!" Gemeint ist die Protestbewegung gegen Atomkraft, die ihre Hochphase in den 70er und 80er Jahren hatte. ... Im Demonstrationszug sieht man ältere Männer mit grauen Pferdeschwänzen neben jungen Familien mit kleinen Kindern. Gelbe Fahnen gibt es überall. Darauf die rote Sonne und der Slogan aus den 70er Jahren: "Atomkraft? Nein Danke".
Nochmal dpa
- SPD, Grüne, Linke und zahlreiche Umweltverbände unterstützen die Demonstranten. Ihre Flaggen sorgten in dem langen Zug ebenso für Farbe wie die gelb-roten Fahnen mit dem Schriftzug "Atomkraft? Nein danke" und die grün-orangen Banner der "Republik Freies Wendland".
AP
« zurück